Ars Neurochirurgica

Chronisches Subduralhämatom

Das chronische Subduralhämatom ist ein häufiges neurochirurgisches Krankheitsbild, das insbesondere oft bei älteren Menschen nach einem Sturz auftritt.

Ursachen des chronischen Subduralhämatoms

Das chronische Subduralhämatom tritt oft mehrere Wochen nach einem Sturz auf. Dabei kommt es zu einer Verletzung der Brückenvenen, welche eine langsame Sickerblutung verursachen, welche sich dann mit der Zeit chronifiziert. Die Einnahme von Medikamente, welche eine Thrombozytenaggregation hemmen (wie beispielsweise Aspirin oder Clopidogrel) oder die Koagulation beeinflussen, wirken sich fördernd auf die Entwicklung eines chronischen Subduralhämatoms aus. Zu den bekannten Risikofaktoren zur Entwicklung eines chronischen Subduralhämatoms zählen Alter, Alkoholabhängigkeit und cerebrale Atrophie1. Ein Trauma ist nicht immer zwingend in der Anamnese vorhanden. 29-38% aller Patienten haben keine erinnerliche Sturzanamnese1.

Diagnose

Der Goldstandard in der Diagnostik eines chronischen Subduralhämatoms ist die CT-Bildgebung des Kopfes. Die Diagnose kann ebenso mit einem MRI gestellt werden. In der klinischen Untersuchung zeigt sich häufig eine Reduzierung des Allgemeinzustandes, Verwirrtheit und das Entwicklen eines Hemisyndroms zur kontralateralen Seite der Blutung.

CT Bild eines chronischen Subduralhämatoms
Chronisches Subduralhämatom auf der linken Seite im axialen CT-Bild.

Konservative Therapie

In manchen Fällen wir die Diagnose eines chronischen Subduralhämatoms im Rahmen eines Zufallsbefundes gestellt und der Patient zeigt sich ohne Symptome. Sollte in solch einem Fall auch die Ausdehnung des Hämatoms gering sein kann eine konservative Therapie gewählt werden.

Operative Versorgung

Bohrlochtrepanation und Kraniotomie

Die operative Entfernung eines chronischen Subduralhämatoms gehört zu den neurochirurgischen Standardeingriffen. Hierbei wird überlicherweise an der betroffenen Seite mittels eines Trepan zwei Bohrlöcher angelegt, über welche man das Hämatom ausspülen kann. In manchen Fällen sind stark ausgeprägte Septen zwischen den flüßigen Hämatomanteilen, welche die Operation deutlich erschweren. Die angebrachten Bohrlöcher an der Schädelkalotte werden üblicherweise aus ästhetischen Gründen lediglich mit einer Titanplatte abgedeckt um das Einfallen der Haut an dieser Stelle zu verhindern. In seltenen Fällen lassen sich die Hämatomanteile nicht wie gewünscht über die angelegten Bohrlöcher entfernen und es muss eine Erweiterung der Operation mit einer Kraniotomie stattfinden.

Der Eingriff kann in Vollnarkose oder auch falls notwendig in Lokalanästhesie durchgeführt werden. Auch im hohen Alter profitieren die meisten Patienten sehr gut von der Operation und erholen sich sehr rasch von dem Eingriff.

Embolisierung der Arteria meningea media

Bei Patienten, bei welchen eine operative Versorgung mittels Bohrlochtrepanation oder Kraniotomie nicht die Therapie der ersten Wahl darstellt kann eine endovaskuläre Embolisierung der Arteria meningea media als Therapie durchgeführt werden.

Spezifische Risiken der Operation

Outcome nach einem chronischen Subduralhämatom

Die 1-Jahres Mortalität nach einem chronischen Subduralhämatom liegt bei etwa 32%1.

Referenzen


  1. Buch: Neurosurgical Knowledge Update - A comprehensive review. Robert E. Harbaugh et al. Thieme Verlag.