Pinealiszyste

Synonyme
Pineal cyst
ICD-10
D35. 4

Eine Pinealiszyste ist eine gutartige zystische Veränderung der Glandula pinealis. Sie wird häufig als Zufallsbefund in einer kraniellen MRT entdeckt. Die meisten inzidentellen Zysten bleiben im Verlauf weitgehend unverändert und benötigen keine Behandlung.[^1][^2]

Klinik

Eine Pinealiszyste ist häufig asymptomatisch. Eine seltene, klinisch relevante Konstellation ist die Behinderung des Liquorabflusses durch Kompression des Aquädukts mit obstruktivem Hydrocephalus. Dabei können Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Bewusstseinsstörungen auftreten. Eine Kompression der dorsalen Mittelhirnregion kann mit einer vertikalen Blickparese einhergehen.[^1]

Kopfschmerzen bei gleichzeitig nachgewiesener Zyste belegen für sich keinen ursächlichen Zusammenhang. Das Konzept der symptomatischen Pinealiszyste ohne Hydrocephalus und die Auswahl geeigneter Operationskandidaten werden kontrovers diskutiert.[^1][^4]

Bildgebung

Die MRT erlaubt die Beurteilung von Zysteninhalt, Wand, benachbarten Strukturen und Liquorwegen. Typische Zysten sind überwiegend flüssigkeitssignalreich; das Signal kann durch den Proteingehalt von reinem Liquor abweichen. Eine dünne randständige Kontrastmittelaufnahme ist möglich. Septierungen oder Kontrastmittelaufnahme allein beweisen keinen Tumor. Bei unklaren oder komplexen Befunden ist eine neuroradiologische Differenzialdiagnose erforderlich.[^3]

CT

Pinealiszyste im CT
Sagittales CT mit Darstellung einer teilweise kalzifizierten Pinealiszyste.

MRT

Pinealiszyste MRT CISS Sequenz
Sagittale MRT CISS Sequenz eines Patienten mit einer Pinealiszyste.
Pinealiszyste MRI
Darstellung einer Pinealiszyste (roter Pfeil) in einem sagittalen MRI Bild.
Pinealiszyste im axialen MRT
Axiales MRT des Schädels in einer T2 Sequenz mit einer Pinealiszyste.

Verlaufskontrolle bei Zufallsbefund

Bei Erwachsenen mit einer typischen inzidentellen Pinealiszyste sind regelmäßige langfristige MRT-Kontrollen in der Regel nicht erforderlich. Eine einzelne Verlaufskontrolle kann bei diagnostischer Unsicherheit oder nach individueller Abwägung sinnvoll sein. Eine generelle Kontrolle nach wenigen Monaten für jeden Zufallsbefund lässt sich daraus nicht ableiten.[^1][^2]

Bei Kindern, neuen zuordenbaren Symptomen, Veränderungen im Verlauf oder unklarer Morphologie wird das weitere Vorgehen gesondert festgelegt. Die Größe allein begründet keine Operationsindikation.[^1]

Therapie

Bei einem durch die Zyste verursachten Hydrocephalus ist eine neurochirurgische Behandlung erforderlich. Je nach Anatomie kommen endoskopische Verfahren zur Wiederherstellung des Liquorabflusses, eine Zystenfenestration oder eine Resektion infrage.[^1]

Ohne Hydrocephalus ist eine Operation keine allgemeine Standardbehandlung unspezifischer Beschwerden. Publizierte Operationsserien berichten Verbesserungen bei ausgewählten Patienten, erlauben aber wegen ihrer Patientenselektion und fehlender Kontrollgruppen keine zuverlässige Übertragung auf alle Betroffenen. Die Abklärung solcher Fälle gehört in ein erfahrenes Zentrum.[^1][^4]

Operationsvideo

Das folgende Video zeigt die mikrochirurgische Resektion über einen paramedianen supracerebellären infratentoriellen Zugang. Es illustriert eine Operationstechnik; daraus ergibt sich keine allgemeine Indikation zur Resektion einer Pinealiszyste.[^5]

Video

Mikrochirurgische Resektion einer Pinealiszyste

Operationsvideo einer mikrochirurgischen Resektion einer Pinealiszyste über einen infratentorielle supracerebellären Zugang.

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  • Text ergänzt: “Eine Pinealiszyste ist eine gutartige zystische Veränderung der Glandula pinealis. Sie wird häufig als Zufallsbefund in einer kraniellen MRT entdeckt. Die meisten inzidentellen Zysten bleiben im Verlauf weitgehend unverändert und benötigen keine Behandlung.[^1][^2]”
  • Text ergänzt: “Klinik”
  • Text ergänzt: “Eine Pinealiszyste ist häufig asymptomatisch. Eine seltene, klinisch relevante Konstellation ist die Behinderung des Liquorabflusses durch Kompression des Aquädukts mit obstruktivem Hydrocephalus. Dabei können Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Bewusstseinsstörungen auftreten. Eine Kompression der dorsalen Mittelhirnregion kann mit einer vertikalen Blickparese einhergehen.[^1]”
  • Text ergänzt: “Kopfschmerzen bei gleichzeitig nachgewiesener Zyste belegen für sich keinen ursächlichen Zusammenhang. Das Konzept der symptomatischen Pinealiszyste ohne Hydrocephalus und die Auswahl geeigneter Operationskandidaten werden kontrovers diskutiert.[^1][^4]”
  • Text ergänzt: “Die MRT erlaubt die Beurteilung von Zysteninhalt, Wand, benachbarten Strukturen und Liquorwegen. Typische Zysten sind überwiegend flüssigkeitssignalreich; das Signal kann durch den Proteingehalt von reinem Liquor abweichen. Eine dünne randständige Kontrastmittelaufnahme ist möglich. Septierungen oder Kontrastmittelaufnahme allein beweisen keinen Tumor. Bei unklaren oder komplexen Befunden ist eine neuroradiologische Differenzialdiagnose erforderlich.[^3]”
  • Text ergänzt: “Verlaufskontrolle bei Zufallsbefund”
  • Text ergänzt: “Bei Erwachsenen mit einer typischen inzidentellen Pinealiszyste sind regelmäßige langfristige MRT-Kontrollen in der Regel nicht erforderlich. Eine einzelne Verlaufskontrolle kann bei diagnostischer Unsicherheit oder nach individueller Abwägung sinnvoll sein. Eine generelle Kontrolle nach wenigen Monaten für jeden Zufallsbefund lässt sich daraus nicht ableiten.[^1][^2]”
  • Text ergänzt: “Bei Kindern, neuen zuordenbaren Symptomen, Veränderungen im Verlauf oder unklarer Morphologie wird das weitere Vorgehen gesondert festgelegt. Die Größe allein begründet keine Operationsindikation.[^1]”
  • Text ergänzt: “Therapie”
  • Text ergänzt: “Bei einem durch die Zyste verursachten Hydrocephalus ist eine neurochirurgische Behandlung erforderlich. Je nach Anatomie kommen endoskopische Verfahren zur Wiederherstellung des Liquorabflusses, eine Zystenfenestration oder eine Resektion infrage.[^1]”
  • Text ergänzt: “Ohne Hydrocephalus ist eine Operation keine allgemeine Standardbehandlung unspezifischer Beschwerden. Publizierte Operationsserien berichten Verbesserungen bei ausgewählten Patienten, erlauben aber wegen ihrer Patientenselektion und fehlender Kontrollgruppen keine zuverlässige Übertragung auf alle Betroffenen. Die Abklärung solcher Fälle gehört in ein erfahrenes Zentrum.[^1][^4]”
  • Text ergänzt: “Operationsvideo”
  • Text ergänzt: “Das folgende Video zeigt die mikrochirurgische Resektion über einen paramedianen supracerebellären infratentoriellen Zugang. Es illustriert eine Operationstechnik; daraus ergibt sich keine allgemeine Indikation zur Resektion einer Pinealiszyste.[^5]”
  • Text entfernt: “Die Pinealiszyste ist eine gutartige zystische Raumforderung im Bereich der Glandula pinealis . Über 80 % der Pinealiszysten sind unter 10 mm groß und zeigen sich in einer Verlaufsbildgebung nur sehr selten progredient.”
  • Text entfernt: “Epidemiologie”
  • Text entfernt: “Pinealiszysten finden sich in 1,8 % bis 4,3 % aller kraniellen MRT Untersuchungen und treten daher sehr häufig als asymptomatischer Zufallsbefund auf[^1][^8]. In Autopsiestudien wird angenommen, dass sogar in bis zu 40 % der Bevölkerung eine Pinealiszyste vorhanden ist[^9] [^10].”
  • Text entfernt: “Symptome”
  • Text entfernt: “Bei größeren Pinealiszysten kann es zu einer Kompression des Aquädukts und einem folglichen Hydrocephalus kommen.”
  • Text entfernt: “Je nach Ausprägung und Größe können Pinealiszysten in einer CT als auch MRT Bildgebung sichtbar sein. Der Goldstandard zur bildgebenden Darstellung ist das MRT.”
  • Text entfernt: “Kleine Pinealiszysten können auf einer CT-Bildgebung aufgrund der gleichen Intensität zu Liquor häufig übersehen werden.”
  • Text entfernt: “Der Goldstandard zur Diagnose ist das MRT. In der nativen T1 Sequenz kann die Signalintensität je nach Proteingehalt des Zysteninhalts variieren und von isointens bis leicht hyperintens im Vergleich zum Liquor erscheinen. In der T2 Sequenz zeigt sich häufig eine Hyperintensität . In der T1 Sequenz mit Kontrastmittel kann sich in manchen Fällen eine Anreicherung in der Zystenwand von bis zu einem Maximum von 2 mm zeigen. Noduläre Irregularitäten mit Kontrastmittelaufnahmen können auf eine andere Raumforderung hinweisen[^2].”
  • Text entfernt: “Asymptomatische Pinealiszysten”
  • Text entfernt: “Bei asymptomatische Pinealiszysten mit weniger als 2 cm Durchmesser und einer typischen bildgebenden Erscheinung mit einer Wanddicke ≤ 2 mm und ohne Irregularitäten oder nodulären Kontrastmittelaufnahmen wird davon ausgegangen, dass diese kein Wachstum zeigen[^2]. Jedoch kann der natürliche Verlauf nicht mit Sicherheit vorausgesagt werden. Bei Erwachsenen liegt das Risiko für ein Wachstum der Zyste bei etwa 4 % im 6 Monate Follow-up[^3] und bei Kindern bei etwa 11 % im 10 Monate Follow-up[^4]. Aufgrund dieser Daten sollte es in Betracht gezogen werden, nach der initialen Diagnose eine frühe Verlaufsbildgebung nach wenigen Monaten durchzuführen[^2], um ein schnelles Wachstum auszuschließen und anschließend das Verlaufskontrollintervall zu erhöhen.”
  • Text entfernt: “Symptomatische Pinealiszysten”
  • Text entfernt: “Symptome”
  • Text entfernt: “Pinealiszyste können sich durch eine hydrocephale Symptomatik wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Lethargie symptomatisch zeigen[^6]. Ebenso kann es zu einem Papillenödem, Parinaud Syndrom oder Visuseinschränkungen kommen[^6] [^7].”
  • Text entfernt: “Chirurgische Behandlung”
  • Text entfernt: “Eine operative Versorgung ist in der Regel nur in äußerst seltenen Fällen notwendig, wenn es durch die Pinealiszyste zu einer Verlegung des Liquorabflusses und einem folglich hydrocephalen Aufstau kommt oder zu Symptomen wie Kopfschmerzen oder visuelle Störungen[^8]. Bei symptomatischen Pinealiszysten ist die chirurgische Intervention die Therapie der Wahl[^2]. Pinealiszysten können beispielsweise über einen infratentoriellen supracerebellären Zugang reseziert werden[^5] [^11].”
  • Zitation hinzugefügt: “Jenkinson MD, Mills S, Mallucci CL, Santarius T. Management of pineal and colloid cysts. Pract Neurol. 2021;21(4):292–299.”
  • Zitation hinzugefügt: “Nevins EJ, Das K, Bhojak M, et al. Incidental Pineal Cysts: Is Surveillance Necessary? World Neurosurg. 2016;90:96–102.”
  • Zitation hinzugefügt: “Gokce E, Beyhan M. Evaluation of pineal cysts with magnetic resonance imaging. World J Radiol. 2018;10(7):65–77.”
  • Zitation hinzugefügt: “El Damaty A, Fleck S, Matthes M, Baldauf J, Schroeder HWS. Pineal cyst without hydrocephalus: clinical presentation and postoperative clinical course after infratentorial supracerebellar resection. World Neurosurg. 2019;129:e530–e537.”
  • Zitation hinzugefügt: “Rhomberg T, Schroeder HWS. Microsurgical Resection of a Pineal Cyst via a Paramedian Supracerebellar Infratentorial Approach. World Neurosurg. 2024.”
  • Zitation entfernt: “Di Costanzo A, Tedeschi G, Di Salle F, et al. Pineal Cysts: An Incidental MRI Finding? J Neurol Neurosurg Psychiatry. 1993;56:207-208.”
  • Zitation entfernt: “Nevins EJ, Das K, Bhojak M, et al. Incidental Pineal Cysts: Is Surveillance Necessary? World Neurosurg. 2016;90:96-102.”
  • Zitation entfernt: “Jussila MP, Olsen P, Salokorpi N, et al. Follow-up of pineal cysts in children: is it necessary? Neuroradiology. 2017;59:1265-1273.”
  • Zitation entfernt: “Stein, Bennett M. "The infratentorial supracerebellar approach to pineal lesions." Journal of neurosurgery 35.2 (1971): 197-202.”
  • Zitation entfernt: “Michielsen, G., et al. "Symptomatic pineal cysts: clinical manifestations and management." Acta neurochirurgica 144 (2002): 233-242.”
  • Zitation entfernt: “Wisoff, Jeffrey H., and Fred Epstein. "Surgical management of symptomatic pineal cysts." Journal of neurosurgery 77.6 (1992): 896-900.”
  • Zitation entfernt: “El Damaty, Ahmed, et al. "Pineal cyst without hydrocephalus: clinical presentation and postoperative clinical course after infratentorial supracerebellar resection." World neurosurgery 129 (2019): e530-e537.”
  • Zitation entfernt: “Hasegawa, Akio, Kohichiro Ohtsubo, and Wataru Mori. "Pineal gland in old age; quantitative and qualitative morphological study of 168 human autopsy cases." Brain research 409.2 (1987): 343-349.”
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  • Zitation entfernt: “Rhomberg, T., and H. W. S. Schroeder. "Microsurgical Resection of a Pineal Cyst via a Paramedian Supracerebellar Infratentorial Approach." World Neurosurgery (2024): S1878-8750.”
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Artikel erstellt am · Alaric Steinmetz

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