Ars Neurochirurgica

Pinealiszyste

Die Pinealiszyste ist eine gutartige zystische Raumforderung im Bereich der Glandula pinealis. Über 80% der Pinealiszysten sind unter 10mm groß und zeigen sich in einer Verlaufsbildgebung nur sehr selten progredient. Pinealiszysten finden sich in bis zu 4% aller kraniellen MRI Untersuchungen und treten daher sehr häufig als asymptomatischer Zufallsbefund auf1. Bei größeren Pinealiszysten kann es zu einer Kompression des Aquädukt und einem folglichen Hydrocephalus kommen. Eine operative Versorgung ist in der Regel nur in äußerst seltenen Fällen notwendig, wenn es durch die Pinealiszyste zu einer Verlegung des Liquorabflusses und einem folglich hydrocephalen Aufstau kommt.

Bildgebung

Kleine Pinealiszysten können auf einer CT-Bildgebung auf Grund der gleichen Intensität zu Liquor häufig übersehen werden. Der Goldstandard zur Diagnose ist das MRI. In der nativen T1 Sequenz kann die Signalintensität je nach Proteingehalt des Zysteninhalts variieren und von isointens bis leicht hyperintens im Vergleich zum Liquor erscheinen. In der T2 Sequenz zeigt sich häufig eine hyperintensität. In der T1 Sequenz mit Kontrastmittel kann sich in manchen Fällen eine Anreicherung in der Zystenwand von bis zu einem Maximum von 2 mm zeigen. Noduläre Irregularitäten mit Kontrastmittelaufnahmen können auf eine andere Raumforderung hinweisen2.

Asymptomatische Pinealiszysten

Bei asymptomatische Pinealiszysten mit weniger als 2 cm Durchmesser und einer typischen bildgebenden Erscheinung mit einer Wanddicke ≤ 2mm und ohne Irregularitäten oder nodulären Kontrastmittelaufnahmen wird davon ausgegangen, dass diese kein Wachstum zeigen2. Jedoch kann der natürliche Verlauf nicht mit Sicherheit vorausgesagt werden. Bei Erwachsenen liegt das Risiko für ein Wachstum der Zyste bei etwa 4% im 6 Monate Follow-Up3 und bei Kindern bei etwa 11% im 10 Monate Follow-Up4. Auf Grund dieser Daten sollte es in Betracht gezogen werden nach der initialen Diagnose eine frühe Verlaufsbildgebung nach wenigen Monaten durchzuführen2, um ein schnelles Wachstum auszuschliessen und anschliessend das Verlaufskontrollintervall zu erhöhen.

Symptomatische Pinealiszysten

Bei symptomatischen Pinealiszysten ist die chirurgische Intervention die Therapie der Wahl2.

Pinealiszyste im MRI
Darstellung einer Pinealiszyste (roter Pfeil) in einem sagittalen MRI Bild

Referenzen


  1. Di Costanzo A, Tedeschi G, Di Salle F, et al. Pineal Cysts: An Incidental MRI Finding? J Neurol Neurosurg Psychiatry. 1993;56:207-208. 

  2. Handbook of Neurosurgery. Greenberg M, ed. 9th Edition. New York: Thieme; 2019. 

  3. Nevins EJ, Das K, Bhojak M, et al. Incidental Pineal Cysts: Is Surveillance Necessary? World Neurosurg. 2016;90:96-102. 

  4. Jussila MP, Olsen P, Salokorpi N, et al. Follow-up of pineal cysts in children: is it necessary? Neuroradiology. 2017;59:1265-1273.