Der Karnofsky-Index (Karnofsky Performance Status, KPS) beschreibt den funktionellen Allgemeinzustand anhand von Aktivität, Selbstversorgung und Unterstützungsbedarf. Die vor allem in der Onkologie verwendete Skala reicht in Zehnerschritten von 100 bis 0. Höhere Werte entsprechen einer größeren funktionellen Selbstständigkeit.[^1][^2]
Skala
Karnofsky Index | Beschreibung |
100% | Keine Beschwerden, keine Zeichen der Krankheit. |
90% | Fähig zu normaler Aktivität, kaum oder geringe Symptome. |
80% | Normale Aktivität mit Anstrengung möglich. Deutliche Symptome. |
70% | Selbstversorgung. Normale Aktivität oder Arbeit nicht möglich. |
60% | Einige Hilfestellung nötig, selbständig in den meisten Bereichen. |
50% | Hilfe und medizinische Versorgung wird oft in Anspruch genommen. |
40% | Behindert. Qualifizierte Hilfe benötigt. |
30% | Schwerbehindert. Hospitalisation erforderlich. |
20% | Schwerkrank. Intensive medizinische Maßnahmen erforderlich. |
10% | Moribund. Unaufhaltsamer körperlicher Verfall. |
0% | Tod. |
Einordnung der Werte 70 bis 100
Für die Einstufung ist maßgeblich, welche Aktivitäten tatsächlich möglich sind und welche Hilfe benötigt wird. Die folgenden Beispiele erläutern die oberen Skalenstufen:[^2]
100: Normale Aktivität ohne Beschwerden oder erkennbare Krankheitszeichen.
90: Normale Aktivität ist möglich; geringe Beschwerden oder Krankheitszeichen bestehen.
80: Normale Aktivität gelingt nur unter Anstrengung; Beschwerden oder Krankheitszeichen sind vorhanden.
70: Die Selbstversorgung ist möglich, normale Aktivität oder aktive Berufstätigkeit jedoch nicht.
Ein Patient, der sich selbstständig wäscht und anzieht, krankheitsbedingt aber seine übliche Tätigkeit nicht ausüben kann, kann damit eher der Stufe 70 als der Stufe 80 entsprechen. Die Zuordnung muss zum gesamten Funktionsniveau passen; Berufstätigkeit allein ist kein ausreichendes Einstufungskriterium.[^2][^3]
Anwendung und Grenzen
Der KPS ist eine klinische Fremdbeurteilung. Eine nachvollziehbare Dokumentation nennt neben dem Wert den Zeitpunkt und die konkreten Einschränkungen. Einheitliche Kriterien und Schulung verbessern die Übereinstimmung zwischen Beurteilern.[^1][^3]
Die Skala erfasst den funktionellen Status, nicht sämtliche Dimensionen der Lebensqualität. Sie liefert keine individuelle Überlebenswahrscheinlichkeit. Zusammenhänge mit der Prognose hängen von Erkrankung und untersuchter Population ab.[^1]
Der ECOG Performance Status beschreibt ein verwandtes Konzept mit anderer Abstufung. Gegenüberstellungen der Skalen dienen der Orientierung; wenn ein Studienprotokoll oder eine Therapieempfehlung eine bestimmte Skala verlangt, sollte diese unmittelbar erhoben werden.[^2]