Bandscheibenvorfall

Synonyme
Diskushernie, Nucleus-pulposus-Prolaps
ICD-11
FB1Y, ND51.2, 8B40

Ein Bandscheibenvorfall ist die Verlagerung von Bandscheibengewebe über die physiologische Begrenzung des Zwischenwirbelraums hinaus. Dabei kann es zur mechanischen Kompression und entzündlichen Reizung von Nervenwurzeln, Rückenmark oder Cauda equina kommen. Von der Herniation abzugrenzen ist das Bulging, bei dem eine breitbasige Vorwölbung ohne umschriebenen Vorfall vorliegt. Morphologisch werden Protrusion, Extrusion und Sequestration unterschieden.

Epidemiologie

Bandscheibenvorfälle treten überwiegend an der Lendenwirbelsäule auf. Am häufigsten sind die Segmente LWK 4/5 und LWK5/SWK1 betroffen. Zervikale Bandscheibenvorfälle finden sich bevorzugt auf Höhe C5/6 und C6/7. Thorakale Hernien sind deutlich seltener, können wegen der möglichen Rückenmarkkompression jedoch klinisch besonders relevant sein. Das Lebenszeitrisiko einen lumbalen Bandscheibenvorfall zu erleiden liegt bei etwa 1-3%, wobei sich 60-90% dieser Bandscheibenvorfälle spontan bessern[^1].

Ätiologie und Pathophysiologie

Ursache ist meist eine degenerative Veränderung des Anulus fibrosus mit Flüssigkeitsverlust des Nucleus pulposus. Axiale Belastung und Rotationskräfte können anschließend zur Verlagerung von Bandscheibengewebe führen. Die neurologische Symptomatik entsteht sowohl durch direkte Kompression als auch durch lokale Entzündungsmediatoren.

Lumbaler Bandscheibenvorfall
Abbildung eines endoskopisch entfernten lumbalen Bandscheibenvorfalls.

Klinische Symptomatik

Die Beschwerden richten sich nach Lokalisation und betroffener neuraler Struktur:

  • Lumbal: Lumboischialgie, dermatombezogene Sensibilitätsstörung, Paresen und Reflexabschwächung

  • Zervikal: Zervikobrachialgie, sensible oder motorische Wurzelausfälle sowie bei Myelonkompression Zeichen einer zervikalen Myelopathie

  • Thorakal: radikuläre, häufig gürtelförmige Schmerzen, Gangstörung, spastische Paresen oder autonome Funktionsstörungen

Ein radiologisch nachgewiesener Bandscheibenvorfall ist nicht automatisch symptomatisch. Entscheidend ist die klinisch-radiologische Korrelation.

Red Flags

Ein Cauda-equina-Syndrom mit Harnverhalt oder Inkontinenz, Reithosenanästhesie, Stuhlinkontinenz beziehungsweise reduzierter Analsphinkterfunktion stellt einen neurochirurgischen Notfall dar. Auch rasch progrediente Paresen und eine akute relevante Rückenmarkkompression erfordern eine unverzügliche fachärztliche Beurteilung.

Diagnostik

Klinik

Grundlage sind Anamnese und vollständiger neurologischer Status einschließlich Prüfung von Kraft, Sensibilität, Reflexen und Pyramidenbahnzeichen. Bei Verdacht auf ein Cauda-equina-Syndrom sind zusätzlich Perianalsensibilität, Sphinktertonus und Blasenfunktion zu beurteilen. Die exakte neurologische Beurteilung richtet sich nach Lokalisation des Bandscheibenvorfalls.

Bildgebung

Die Magnetresonanztomographie ist das bildgebende Verfahren der Wahl.

Cauda equina Kompression durch einen Bandscheibenvorfall MRT Abbildung
Sagittales und axiales T2 MRT Bild eines Patienten mit einem Cauda equina Syndrom auf Grund eines Bandscheibenvorfalls auf Höhe LWK4/5 mit folglicher Kompression der Cauda equina

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