Ars Neurochirurgica

Zervikaler Bandscheibenvorfall

Mit Abstand am häufigsten kommen lumbale Bandscheibenvorfälle vor. Gleich danach sind am zweithäufigsten Bandscheibenvorfälle im zervikalen Bereich präsent und sind eine der häufigsten Ursachen der zervikalen Radikulopathie1. Wie bei allen Bandscheibenvorfällen gilt auch im zervikalen Bereich, dass stets das Ausschöpfen einer konservativen Therapie an erster Stelle steht und lediglich wenn alles versagt eine chirurgische Intervention indiziert ist.

Diagnose eines zervikalen Bandscheibenvorfalls

Die bildgebend exakte und zuverlässige Diagnose kann nur mittels eines MRI der Halswirbelsäule gestellt werden. Die klinische Diagnose einer zervikalen Radikulopathie lässt sich in Zusammenschau auf Grund der Schmerzausstrahlung, verminderten Reflexen sowie einer Hypästhesie im Bereich der betroffenen Nervenwurzel stellen.

Konservative Therapie eines zervikalen Bandscheibenvorfalls

An erster Stelle der konservativen Therapie bei zervikalen Bandscheibenvorfällen steht die Physiotherapie zur Stärkung der Rückenmuskulatur2. Als nächsten bereits minimal invasiver Schritt in der konservativen Therapie stellt eine Nervenwurzelinfiltration dar. Hierzu muss jedoch bereits ein Nervenwurzelkompression oder Einengung mittels MRI diagnostiziert worden sein. Es wird hierbei (meist unter CT-Bildgebung) ein Lokalanästhetikum und Steroid direkt an in die Nervenwurzel appliziert und führt in den meisten Fällen zu einer anhaltenden Schmerzlinderung3.

Operation eines zervikalen Bandscheibenvorfalls

Sollten alle konservative Therapiemöglichkeiten zu keinem Erfolg geführt haben oder bereits deutliche neurologische Ausfälle vorhanden sein kann eine Operation diskutiert werden. Je nach Lokalisation des Bandscheibenvorfalls kann die Operation von dorsal oder anterior durchgeführt werden.

Das standardgemässe Operationsverfahren von anterior ist eine ACDF (Anterior Cervical Discectomy and Fusion), bei welcher der Zugang von anterior durch den Hals gemacht wird. Es wird hierbei das komplette Bandscheibenfach auf der betroffenen Höhe ausgeräumt (Diskektomie) und anschliessend ein Cage oder eine Bandscheibenprothese eingebaut. In manchen Fällen kann zur zusätzlichen Stabilisierung eine vertikale Platte eingebaut werden. Standardgemäss sollte nach der Operation eine Röntgenaufnahme durchgeführt werden um die Korrekte Lage der Implantate zu verifizieren.

Der Zugang von dorsal ist nicht für alle zervikalen Bandscheibenvorfälle geeignet sondern nur insbesondere für jene, welche im Neuroforamen liegen. Hierbei erfolgt keine komplette Entfernung der Bandscheibe sondern lediglich die Entfernung des Sequesters von dorsal und ebenso erfolgt keine Implantateinlage.

Bei einem komplikationslosem operativen Eingriff können die Patienten üblicherweise bereits nach wenigen Tagen wieder das Spital verlassen.

Operationsrisiken

Referenzen


  1. Carette S, Fehlings MG. Cervical Radiculopathy. N Engl J Med. July 2005:392-399. doi:10.1056/nejmcp043887 

  2. Cleland JA, Whitman JM, Fritz JM, Palmer JA. Manual Physical Therapy, Cervical Traction, and Strengthening Exercises in Patients With Cervical Radiculopathy: A Case Series. J Orthop Sports Phys Ther. December 2005:802-811. doi:10.2519/jospt.2005.35.12.802 

  3. Cyteval C, Thomas E, Decoux E, et al. Cervical radiculopathy: open study on percutaneous periradicular foraminal steroid infiltration performed under CT control in 30 patients. AJNR Am J Neuroradiol. 2004;25(3):441-445. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15037470

  4. Fountas K, Kapsalaki E, Nikolakakos L, et al. Anterior cervical discectomy and fusion associated complications. Spine (Phila Pa 1976). 2007;32(21):2310-2317. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17906571