Ars Neurochirurgica

Radiologische Merkmale verschiedener Shuntventile

Die Anzahl der zwischenzeitlich verwendeten Shuntsysteme in der Neurochirurgie ist auf eine beachtliche Zahl gewachsen. So kann es durchaus vorkommen, dass man mit einem Patienten konfrontiert wird, welcher ein unbekanntes Shuntsystem implantiert hat, welches auch auf dem Röntgenbild nicht zugeordnet werden kann.

Dieser Beitrag soll helfen die verschiedenen und häufig verwendeten Shuntventile und deren Eigenschaften auseinander zu halten. Die in diesem Beitrag beschriebene Sammlung an Shuntventilen ist nicht vollständig, sollte aber die häufigst implantierten Systeme abbilden.

Übersichtstabelle über die MRI Tauglichkeit von Shuntsystemen

Shuntventil Verstellbarer Eröffnungsdruck MRI Tauglichkeit
proGAV 2.0 Ja Ja
Polaris Sophysa Ja Ja bis 3 Telsa1
Codman Hakim Ja Bedingt. Überprüfung der Shuntventileinstellung notwendig.

proGAV 2.0

Die proGAV 2.0 Ventile werden von der Firma Miethke vertrieben und können mit Hilfe eines Magneten zwischen einem Eröffnungsdruck von 0-20 cmH20 eingestellt werden. Die Auslesung der Shunteinstellung kann ebenfalls über ein Magnetindikation direkt am Patienten erfolgen oder über eine Röntgendarstellung des Shuntventils. Die Bestimmung am Röntgenbild liefert eine verlässlichere Information über die aktuelle Einstellung, da die Auslesung mit Hilfe des Magneten von der Orientierung des Shuntventils unter der Haut abhängig ist und bei ausgeprägtem subkutanen Fettgewebe erschwert feststellbar ist.

Miethke proGAV 2.0 Shuntventil

proGAV 1.0

Die proGAV 1.0 Shuntventile sind Vorgänger der proGAV 2.0 Ventile und werden ebenfalls von der gleichen Firma Miethke vertrieben.

proGAV 1 Shuntventil im Röntgen
Darstellung eines proGAV 1 Shuntventils im Röntgen zusammen mit einer Gravitationseinheit.

Sophysa Polaris Shuntventil

Das Polaris® Shuntsystem wird von der Firma Sophysa vertrieben und ist ein verstellbares und bis 3 Tesla MRI taugliches1 Shuntventil.

Das Polaris® Shuntventil hat im Standardmodel eine verstellbare Druckstufe von 30-200mmHg und es gibt drei zusätzliche Modelle, welche im Röntgenbild durch einen Marker unterschieden werden können, welche weitere Druckstufeneinstellungen bieten.

Verschiedene Modelle und ihre Druckstufen des Polaris Shuntsystems
Darstellung der verschiedenen Polaris Sophysa Modelle und ihre einstellbaren Druckstufen. Abbildung adaptiert von Greenberg Handbook of Neurosurgery.
Röntgenbild eines Sophysa Polaris Shuntventil

Codman Hakim Shuntventil

Das Codman Hakim Shuntventil wird von der Firma Codman Inc produziert und kann in 18 verschiedenen Druckstufen von 30-200 mm H2O eingestellt werden kann. In den offizielle Herstellerinformationen können allgemeine Informationen und Abbildungen zum Auslesen der Druckstufe anhand des Röntgenindikators gefunden werden.

Druckstufen des Codman Hakim Ventils
Darstellung der verschiedenen Ventildruckstufen eines Codman Hakim Shuntventils im Röntgen.
Röntgenbild des Codman Hakim Shuntsystems
Röntgenbild des Codman Hakim Shuntsystems

Spitz-Holter Shuntventil

Das Spitz-Holter Shuntventil wurde in den 1950er Jahren in Philadelphia entwickelt und war das erste funktionierende Shuntventil für die Behandlung des Hydrocephalus2. Spitz-Holter Shuntventile werden in Europa nicht mehr implantiert und wurden durch modernere Shuntventile abgelöst. Auf den Röntgenbilder von Spitz-Holter Shuntventilen lässt sich die Druckstufe des Ventils nicht ablesen.

Erster Prototyp eines Spitz-Holter Ventils
Abbildung des ersten Prototyps des Spitz-Holter Shuntventils. Abbildung adaptiert von Boockvar et al. 2001.

Röntgenbild eines Spitz-Holter Shuntventils
Röntgendarstellung eines Spitz-Holter Shuntventils

Referenzen


  1. Inoue, T., Kuzu, Y., Ogasawara, K., & Ogawa, A. (2005). Effect of 3-tesla magnetic resonance imaging on various pressure programmable shunt valves. Journal of Neurosurgery Pediatrics, 103(2), 163–165. doi:10.3171/ped.2005.103.2.0163 

  2. Boockvar, J. A., Loudon, W., & Sutton, L. N. (2001). Development of the Spitz—Holter valve in Philadelphia. Journal of Neurosurgery, 95(1), 145–147. doi:10.3171/jns.2001.95.1.0145