Queckenstedt Test
Zuletzt bearbeitet von Alaric Steinmetz am
Der Queckenstedt-Versuch (auch Queckenstedt-Zeichen genannt) ist ein klinisches Prüfverfahren, das im Rahmen einer Liquorpunktion eingesetzt wurde, um einen Verschluss oder eine Einengung des Subarachnoidalraums im Bereich des Rückenmarks nachzuweisen[^1].
Physiologie
Unter physiologischen Bedingungen führt eine Kompression der Venae jugulares am Hals zu einer kurzzeitigen Stauung des venösen Blutes im Schädelinneren. Dies bewirkt eine Steigerung des intrakraniellen Drucks.
Da der Liquorgraum des Gehirns und des Rückenmarks miteinander kommunizieren, überträgt sich dieser Druckanstieg unmittelbar nach kaudal. Bei einer Lumbalpunktion kann dieser Druckanstieg durch ein schnelleres Abtropfen des Liquors oder objektiv mittels eines Steigrohrmanometers gemessen werden.
Durchführung
Der Patient befindet sich in einer stabilen Seitenlage.
Es wird eine Lumbalpunktion (meist zwischen L3/L4 oder L4/L5) durchgeführt.
Nach dem Anschlagen des Liquors werden beide Jugularvenen manuell für etwa 10 Sekunden komprimiert.
Der Untersucher beobachtet den Liquordruck (Abtropfgeschwindigkeit oder Manometerstand).
Interpretation
Normalbefund
Bei freier Kommunikation im Spinalkanal steigt der Liquordruck bei Kompression der Venen prompt an und fällt nach Entlastung ebenso schnell wieder auf den Ausgangswert ab.
Pathologischer Befund (Positives Queckenstedt-Zeichen)
Bleibt der Druckanstieg aus oder erfolgt er nur sehr langsam und verzögert, spricht man von einem positiven Queckenstedt-Zeichen. Dies deutet auf einen einengenden (raumfordernden) Prozess oberhalb der Punktionsstelle hin, der den Subarachnoidalraum blockiert.
Mögliche Ursachen sind:
Spinale Tumore
Massive Bandscheibenvorfälle
Entzündliche Prozesse (z.B. Spinaler Abszess)
Hochgradige Spinalkanalstenosen
Klinische Bedeutung
In der modernen Medizin gilt der Queckenstedt Test als obsolet. Er wurde weitestgehend durch bildgebende Verfahren, insbesondere die Magnetresonanztomografie (MRT) des Spinalkanals, ersetzt. Die MRT ermöglicht eine wesentlich präzisere und nicht-invasive Diagnostik von raumfordernden Prozessen, ohne die Risiken einer Punktion bei erhöhtem Liquordruck einzugehen.